Pankgrafen machen Ernst

Die Pankgrafen machen ernst – ein Bericht von Sabine Gorenflo DJV - Mitten im frostigen Februar, als in Weilburg die letzten Konfettireste der närrischen Tage herumlagen, sehnte sich Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch eigentlich nur nach einem starken Kaffee – oder wahlweise einem zweiwöchigen Winterschlaf. Die „tollen Tage“ hatten ihre Spuren hinterlassen: heisere Stimme, müde Augen und ein Rathaus, das sich langsam von Luftschlangen und Lokalpolitik gleichermaßen erholte. - Doch die Ruhe währte kürzer als eine Büttenrede. Kurz nach Aschermittwoch, der Bürgermeister hatte gerade den ersten Schluck Kaffee angesetzt – verdunkelte sich die Tür zu seinem Büro. Kein Wetterumschwung, sondern hoher Besuch: Die ehrwürdigen Herren der Pankgrafen von 1381 standen hochkarätig besetzt vor ihm. Würdevoll gewandet, mit ernstem Blick und der Haltung von Männern, die wissen, dass sie eine Rechnung offen haben. Und zwar seit 1966. - Mit feierlicher Strenge wurde die Forderung vorgetragen: 5000 Taler – nebst Zins und Zinseszins. Man hörte förmlich das Rascheln vergilbter Urkunden durch die Flure wehen. Eine Schuld aus einer Zeit, als Telefone noch Wählscheiben hatten und man vermutlich hoffte, dass sich historische Forderungen irgendwann von selbst erledigen. -
Der Bürgermeister, eben noch gefeierter Karnevalsprotagonist, erstarrte. 5000 Taler! Und dann noch Zinsen. Und Zinseszinsen! Im aktuellen Haushalt klingt schon das Wort „Mehrausgabe“ wie eine Drohkulisse – und nun das. Mit bemerkenswerter Fassung bat er um Aufschub zur eingehenden Prüfung der Angelegenheit. Schließlich sei der städtische Etat ohnehin so straff geschnürt, dass selbst ein mittelalterlicher Kettenpanzer dagegen locker sitzt. - Die Pankgrafenschaft zeigte sich überraschend gnädig und gewährte Frist. Doch die Botschaft war eindeutig: Zum Weinfest werde man wieder erscheinen, um die Summe entgegenzunehmen. Und sollte dies nicht geschehen, werde der Fehdehandschuh ausgepackt – und mit samt Gardisten und Kanonen spätestens zur Kirchweih angegriffen. Man stelle sich das vor: Zwischen Zuckerwatte und Autoscooter rollen historische Geschütze an, während Gardisten im Gleichschritt durch die Altstadt marschieren und der Duft von Bratwurst sich mit dem Pulverdampf mischt. - Denn eines steht fest: Weilburg ist eine amtliche Vasallenstadt der Pankgrafen – und wird es wohl auch nach der Kirchweih bleiben. Obwohl wir haben in Weilburg ja die Bürgergarde. Ob diese uns verteidigen kann? Hoffentlich! Denn Tradition verpflichtet schließlich, aber wer seit 1966 Geduld beweist, meint es ernst. Nun wird im Rathaus fieberhaft gerechnet, gewälzt, geprüft. Vielleicht findet sich noch ein vergessener Zahlungsbeleg zwischen Haushaltsakten und alten Fastnachtsprogrammen. Vielleicht wird beim Weinfest eine symbolische Schatztruhe überreicht. Oder vielleicht akzeptieren die gestrengen Herren ja Naturalien in Form edler Tropfen. Bis dahin aber gilt: Geschichte wiederholt sich nicht – sie kommt aber gelegentlich vorbei, um offene Rechnungen einzutreiben.

Verantwortlich: Lahntal-Fernsehen



Datum: 27.02.2026
Dauer : 20 min