Der vielseitig engagierte Künstler und Illustrator Dieter Boger ist im Alter von 85 Jahren verstorben. Obwohl er nicht in Weilburg geboren wurde, prägte er über Jahrzehnte hinweg das Leben der Stadt auf besondere Weise und wurde zu einer festen Größe im gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Gefüge. Dieter Boger hinterlässt Spuren: in Weilburg, in der Kulturlandschaft und in den Erinnerungen vieler Menschen. Um diese Erinnerungen geht es in unserem kleinen Film. Einige Freunde und Wegbegleiter haben uns im Studio besucht und einfach nur erzählt. Fast ein halbes Jahrhundert lang brachte Boger sich mit außergewöhnlicher Energie ehrenamtlich ein. Stillstand kannte er nicht – sein Ruhestand war alles andere als ruhig. Schon früh entwickelte er eine enge Verbundenheit zu seiner Wahlheimat und übernahm Verantwortung in der Kommunalpolitik. Von 1985 bis 1994 gehörte er dem Stadtparlament an, zuletzt als Vorsitzender der CDU-Fraktion. Eine schwere Erkrankung zwang ihn zwar zum Rückzug aus der aktiven Politik, doch als geschätzter Gesprächspartner blieb er dem Rathaus weiterhin verbunden. Mit dem früheren Bürgermeister Hans-Peter Schick verband ihn bis zuletzt eine tiefe Freundschaft. Auch in wirtschaftlichen Fragen war seine Einschätzung gefragt, unter anderem bei der Weilburger Wirtschafts-Werbung. Im Vorfeld des Hessentages 2005 brachte Boger gemeinsam mit dem HR-Journalisten Peter Freitag kreative Impulse in eine sogenannte Denkwerkstatt ein. Er wirkte an Publikationen über Weilburg mit, initiierte die Löwenaktion und trug damit wesentlich zur Außendarstellung der Stadt bei. Ein besonderes Anliegen war ihm das Theaterleben. Nach dem Tod von Johannes Meyer übernahm er den Vorsitz der Theatergemeinde und setzte sich erfolgreich dafür ein, dass weiterhin namhafte Schauspieler in Weilburg gastierten. Gemeinsam mit Holger Redling gelang ihm nach der Sanierung der Stadthalle der Neustart der Theatergemeinde. Seine tiefe Identifikation mit Weilburg zeigte sich auch im Engagement für die Bürgergarde. Von 2001 bis zuletzt gestaltete er jährlich die Ehrenscheibe zur Kirchweih. Zudem war er Mitautor einer Festschrift zum 200-jährigen Bestehen der Bürgergarde im Jahr 2013. Über drei Jahrzehnte vermittelte Boger als Dozent an der Volkshochschule Limburg-Weilburg sein Wissen über Malerei und künstlerische Techniken. Darüber hinaus organisierte er mehr als 20 Jahre lang kulturelle Tagesfahrten und eröffnete vielen Teilnehmenden neue Perspektiven auf Kunst und Kultur. Auch international hinterließ er Spuren: Den Aufbau der Städtepartnerschaft mit Colmar-Berg in Luxemburg begleitete er maßgeblich. Für dieses Engagement wurde er 2005 vom Luxemburger Hof als „Chevalier“ des Verdienstordens von Großherzog Adolph von Nassau ausgezeichnet. Die Stadt Weilburg ehrte ihn 2016 mit der Ehrenmedaille in Silber. Im Zentrum seines Lebens stand jedoch stets die Kunst. Mit einem nahezu wissenschaftlichen Blick widmete sich Boger in seinen Illustrationen und Aquarellen vor allem der Tier- und Pflanzenwelt. Seine Arbeiten gingen dabei weit über eine bloße Abbildung hinaus und vermittelten Tiefe, Struktur und Erkenntnis. Sein künstlerisches Schaffen stellte er immer wieder in den Dienst guter Zwecke – unter anderem zur Unterstützung der Stiftung „Evangelisch in Weilburg“, die mithilfe seiner Werke die grundlegende Sanierung der Sauer-Orgel in der Schlosskirche realisieren konnte.